6. Tag: Nochmals Monesterio

Bevor ich mich heute Morgen zum Frühstück in die Bar begab, sprach mich der Besitzer des Hostals an, ob ich mikommen wolle, er gehe zu einem Kollegen, um zu lernen, wie man Pferde schlachtet! Ich musste spontan lachen, dankte für die Einladung und sagte, dass ich noch nichts gegessen habe. Er darauf: no hay problemas, er warte… sagte ihm dann, muchas gracias, aber ich verzichte. Für einen Reitausflug wäre ich sicher dabei gewesen.

Gestern Abend war in dieser Bar nebenan die Hölle los. Es spielte Real Madid gegen Barcelona. Bevor das Spiel begann, waren die Straßen leergefegt und draußen war alles still. Die Fans kamen mit Fahnen und Krachern, die bei den zwei Toren angezündet und durchs Fenster nach draußen geworfen wurden. Es floss reichlich Cola mit Rum und Cerveza.

Heute morgen ging ich zur Messe, welche zusammen mit der andalusischen Gitarrenmusik ganz stimmungsvoll war. Das Priester- Spanisch hingegen war „eher“ schwierig zu verstehen..

Nun sind Fritz , Hartmut, sowie Katy und Roberto das Paar aus New Mexico, resp. Brasilien unterdessen auch eingetroffen. Ich habe mich gefreut als ich sie wieder sah. Wir haben uns zusammen ein Taxi genommen und das Kloster aus dem 13.Jh. angeschaut, das zu einer Zeit gebaut wurde, als die Muselmanen auf nicht so sanfte Art zum Christentum bekehrt wurden.

Morgen geht’s dann zu Fuß weiter. Bin optimistisch betreffend meinen Füssen.
Das Bild zeigt Richtung Norden. Im Hintergrund Fuente de Cantos, das Tagesziel von morgen.

5. Tag: Monesterio

Monasterio ist eine gepflegte, äußerst saubere Provinzkleinstadt. Ich habe mich in der Apotheke mit allem Nötigen eingedeckt und versuche den Tag zu genießen. Nun ja, ich kann einfach nur hoffen, dass ich in 2 Tagen wieder fit bin. Man muss ja niemandem Rechenschaft ablegen.

Es gibt schon spezielle Typen auf diesem Weg. So zum Beispiel der 65 jährige, pensionierte Carunternehmer vom Bodensee, der mit seinem Esel die Via de La Plata pilgert! Er rechnet mit ca. 8 Monaten, bis er in S.d.C. ankommen wird ! Der Esel läuft nicht durch Bäche und auf meine Frage, was er denn da mache, sagte er: „Nun, dann muss ich halt einen anderen Weg suchen, oder wenn er nicht mehr will, muss ich warten.“ Boahh, der Mann muss eine Geduld haben. Er sagte, er nehme sich die Zeit erst, seit seinem Herzinfarkt…

Die ganze Region lebt von ihren schwarzen Wildschweinen und Schafen. So gibt es schon zum Frühstück Tostada con sobrasada y pate de higado de cerdo. (mastige Wildschweinpasten, schmecken ähnlich wie die Geflügelpasteten) Für Heikle gibt’s auch Konfitüre 😉

secundo parte:
El tarde del dia en un bar. Era la fiesta Real-Barca con mucho cerveca y cuba libre.. Si, los peregrinos pueden tambien hacer una fiesta! buenas noches .. /-;

Pic vom Frühstück in Almadén.

4. Tag: Castilblanco de los Arroyos – Almadén de la Plata (30km)

Nach der Taxifahrt zum Einang in den Nationalpark Berrocal folgte eine einzigartig schöne Landschaft mit Korkeichen und Olivenbäumen. Die Gegend veränderte sich mit dem Anstieg schnell und der Weg wurde trocken. Irgendwo in dieser Gegend haben wir uns dann verlaufen und bemerkten dies erst nach einem sehr steilen Aufstieg  nach der Mittagspause. Wir waren viel zu weit östlich gegangen und mussten durch Maggia und Gestrüpp wieder absteigen. Der Weg ans Tagesziel folgte dann halt über eine staubige Piste. Der Tag war definitiv nichts für meine Füsse. Beim Abstieg habe mir an der kleinen Zehe eine Riesenblase inkl. Enzündung eingefangen… War beim Arzt, welcher mir 2 Tage Pause empfahl !!! Caramba und jetzt? Hier in diesem verschlafenen heissen Nest bleiben ?  Mit dem Bus eine Etappe weiter und auf die Kollegen warten ? Ich habe mich für die Variante 2 entschieden. Vorallem, weil Hartmut und Fritz mit mir weiterlaufen wollen. Und ich auch mit ihnen.

Anstelle eines unästhetischen Zehen – Bildes poste ich doch lieber 2 vom Parque Perroqal. 🙂

3. Tag: Gulliena – Castilblanco de los Arroyos (19km)

Es war die erste landschaftlich ausgesprochen schöne Strecke durch Korkeichenwälder, Oliven – und Orangenplantagen. Schon zu Beginn holten Hartmut und Fritz  mich ein. Die restlichen Kilometer liefen wir zu dritt. Hartmut, ca. 60 jährig, Banker aus Mannheim hat eine Schrittlänge von mindestens 2m 😉 Er ist ein ganz symphatischer Zeitgenosse, mit dem ich mich gut unterhielt, trotz der Schrittlängendifferenz…

Fritz ist seit 5 Jahren pensioniert, liess sich umschulen und führt seither mit 12 Mitarbeitern unentgeltlich eine Alkohol – und Drogenberatungsstelle und Rehab. Sicher nicht jedermanns Sache, aber ich finde es beeindruckend. Fritz ist ebenfalls ein wirklich angenehmer und rücksichtsvoller Pilgergenosse.

Das Durchschnittsalter der Pilger ist sicher gegen die 60 und die Via de La Plata ist für viele nicht die erste Tour. Es hat allerdings auch „Pilger“, die sich das Gepäck nachfahren lassen. So wie der bedauernswerte Holländer Jan, der mit 7 Spanierinnen unterwegs ist !

Die Spanier können nicht verstehen, wie man 8 Wochen Ferien machen kann, ohne zu arbeiten. Überstundenvergütung oder flexible Arbeitszeitmodelle gibt es nicht. Jüngere Leute ohne Studium können sich keine eigene Wohnung leisten und ziehen erst zuhause aus, wenn sie heiraten.

Gesundheitlich geht’s ganz ordentlich, wenn auch nicht ganz ohne Blasenpflaster. Morgen gäbe es insgesamt 31km zum Gehen, wovon 18 km auf Asphalt auf einer Strasse. Die meisten, inkl. mir, verzichten auf diese Erfahrung und fahren, bis der Weg von der Strasse abzweigt.

Buenas noches !

2. Tag: Sevilla – Gulliena (24km)

Ich hätte einmal mehr auf Claudia hören und den Bus oder das Taxi nehmen sollen durch all die Barrios und Industriegebiete von Sevilla… aber eben 🙂
Kurz nach dem Mittag bog der Weg ab, auf einen 8km langen schnurgeraden Feldweg. Ich wollte schon losziehen, da rief einer hinter mir: „Hallo du!“,  wie wenn auf der Rückseite meines T-Shirts stehen würde: Ich spreche deutsch. Der Hallorufer war Fritz, 65, aus Salzburg. Seine Nationalität war unschwer zu erkennen, da er auf Hosen und Hemd rot- weiße Streifen aufgenäht hatte. Normalerweise verursacht das bei mir eher eine ablehnende Haltung. So war ich anfangs a bisserl reserviert, konnte aber nach ein paar Kilometern Unterhaltung feststellen, dass Fritz ganz ok und vorallem fit ist. Ich konnte seinem flotten Schritt kaum mithalten.
Es war recht heiß auf der langen Geraden und ich war ein erstes Mal froh um meinen Hut, da die Sonne nordwärtslaufend in den Nacken schien. Auf dem Weg nach Gulliena gibt’s eine 30m breite Furt mit ca. 80 cm tiefem, stinkendem Wasser. Aber wir hatten sehr großes Glück, dass ein Bauer zur selben Zeit in die selbe Richtung mit seinem Trakor fuhr und uns aufsteigen ließ. Ansonsten hiesse es  die Schuhe auszuziehen, Umwege laufen, oder was auch immer. Das einzig übriggebliebene Zimmer im Hostal teile ich nun mit Fritz. Es sind doch ca. 15 Pilger die hier übernachten und morgen in die selbe Richtung weitergehen werden.

1. Tag: Sevilla

Sevilla alleine ist eine Reise wert !

Die Stadt hat mich äusserst freundlich mit 25 Grad und schönstem Sonnenschein empfangen. Schade jedoch, dass der Verkehr in der Innenstadt nicht eingeschränkt wird. Heute sei es jedoch verhältnismäßig ruhig, meinte ein Kellner, da gerade die „semana santa“ vorüber sei und die Leute wieder arbeiten gehen…insofern sie einen Job haben! Die Arbeitslosikeit beträgt 20%. So gesehen haben viele Sevilleños wohl größere Probleme als die Verkehrsführung.

Nach der Busfahrt vom Flughafen in die Stadt wollte ich im Vorbeigehen nur kurz die Credencial (den Pilgerausweis) in der Kathedrale abholen. Aber das Büro wurde verlegt und es ergab sich die erste Minietappe quer durch die Stadt.

Morgen früh geht’s los mit einer Etappe von 24km. Hasta luego y saludos.

… und herzlichen Dank für eure Wünsche und Beiträge !