Bemerkenswert

2019: Via Tolosana

Die Via Tolosana ist der südlichste Pilgerweg durch Frankreich. Obwohl klimatisch eigentlich optimal gelegen, ist er vermutlich der am wenigsten begangene Weg und von daher der Einsamste. Gemäss Beschreibungen aber auch wild und abwechslungsreich. Er führt ab Arles durch das Rhoneschwemmland mit Obst – und Reisplantagen vorbei in die Universitätsstadt Montpellier. Anschliessend über die südlichsten Ausläufer der Cevennen in die Stadt Toulouse. Insbesondere dieser, durch die Berge führende Teil muss sehr schön sein. Weiter geht es durch die Gascogne und mit dem Erreichen der Provinz Béarn nähert man sich „bereits“ den Pyrenäen. Über den Somportpass gelangt man weiter nach Spanien in die Provinz Aragonien. Ab dort heisst der Weg dann nicht überraschend Camino Aragonés.

Südfrankreich kenne ich bisher lediglich per Rad und durch Strandferien. Frankreich hat mich schon so manches Mal positiv überrascht. Sei es in Savoyen, der Auvergne, dem Aubrac, in Conques oder in Moissac. Die Vorfreude kennt keine Grenzen, auch wenn es voraussichtlich erst im April 2019 losgeht.

 

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Córdoba

Mezquita

Hier in Córdoba endet unser erster Teil vom Camino Mozarabe. Der Weg führt jedoch weiter bis Mérida. Danach heisst er Via de la Plata.

Der Camino Mozarabe ist trotz der vielen Olivenplantagen recht abwechslungsreich und bietet fantastische Szenerien und Landschaften. Baena und Lucena sind zudem zwei hübsche Kleinstädte, in denen es sich verweilen lässt. Meines Erachtens eignet sich dieser Weg sehr gut als Alternative zum Camino Portugues und lässt sich problemlos in 10 Tagen gehen, insofern man Santiago de Compostela nicht als Ziel hat. Es gibt keine Etappe, welche länger als 25 km ist. Trotzdem sind es kumuliert nicht zu unterschätzende ~ 3500hm, welche bewältigt werden müssen. Es gibt, bis auf ein Etappenziel, immer eine bessere Übernachtungsalternative zu einer Herberge.

Ein paar Bäche müssen ohne Brücken überquert werden. Wir hatten sehr viel Glück, denn die Bäche führten viel weniger Wasser, als noch vor einem Monat, wie man uns mitteilte. Bis zu einer gewissen Wasserhöhe eignen sich 2 über die Beine gestülpte Abfallsäcke zum Überqueren. In den Bars der Bauern gibt es zudem abends die zuverlässigsten Informationen über die anstehende Etappe. Es bedingt halt etwas Spanisch – Sprachkenntnisse. Ab Ende Mai bis September ist es in ganz Südspanien viel zu heiss um zu wandern und vom Weg abzuraten. Leider gibt es aktuell kein deutschsprachiger Wanderführer für die Strecke Málaga-Córdoba, jedoch eine grobe englische oder spanische Beschreibung auf http://www.caminomozarabedesantiago.es

Espejo – Santa Cruz (12 km)

Espejo – Santa Cruz (12 km)

Zu Fuss von Málaga herkommend ist Santa Cruz die letzte Möglichkeit für eine Übernachtung vor Córdoba. Entsprechend treffen sich alle Fernwanderer, Pilger und sonstige Wandervögel in diesem kleinen Dorf. Es geht lustig zu und her auf der Terrasse vom Hostal José. Ein Belgier, ein Franzose und ein dänisches Paar sind bereits eingetroffen. José’s Zimmer sind begehrt und wir konnten früh 2 Zimmer ergattern, da wir heute nur 12 km wanderten und um 14 Uhr schon ankamen. Wir hatten wiederum eine Wasserfurt zu überqueren. Ich hatte Glück und konnte dank einem Campesino, welcher per Zufall mit seinem Traktor dahergetuckert kam, nasse Füsse verhindern. Tinu lief ca. 10 Minuten hinter mir und überquerte die Furt mit an den Beinen übergestülpten Abfallsäcken. Nach unserer nassen Erfahrung mit dem Überqueren eines Wasserlochs haben wir uns vorsorglich eine Rolle Abfallsäcke gekauft 🙂

Cabra – Baena (25 km)

Letzte Nacht wurde in der Bar unter unserem Zimmer bis frühmorgens gefeiert, so dass der Tag bei mir mit Schlafmangel begann. Tinu hat zwar von der Party nichts mitbekommen, aber sich dafür über mein Geschnarche beschwert..

Nun, auf dem Samstagsmarkt nebenan stärkten wir uns mit einem Kaffee mehr als üblich und versorgten uns mit frischen Früchten, Brot, Käse und Trinkwasser für die Etappe.

Wetter: bewölkt, morgens ca 5 Grad ..

Wie am Vortag diente uns auf den ersten 14 km die ausgediente Eisenbahnstrecke als Wanderweg. Da Samstag ist, waren auch viele Jogger und Biker unterwegs. Andere Fernwanderer haben wir bisher keine gesehen.

Tinu und ich kennen uns zwar seit längerer Zeit, sind aber das erste Mal längere Zeit gemeinsam unterwegs. Wir wussten also vorher nicht, was wir voneinander zu erwarten haben. Aber ich muss sagen, wir verstehen uns gut und ich schätze seine ruhige und überlegte Art sehr. Wir ergänzen uns gut und so sieht er manchmal, dass ich mich gerade auf den Holzweg beheben würde, respektive eine Abzweigung verpasst habe, oder umgekehrt.

Die Orientierung ist eigentlich ganz einfach: Immer den gelben Pfeilen, welche an Hausmauern, Strassenmarkierungen, Bäumen etc. zu finden sind, folgen. Bis jetzt ist der Weg auf dem Land recht gut angeschrieben. Jedoch kann man sich nicht immer darauf verlassen. Dazu verwenden wir zusätzlich die „Wikiloc“ – Navigationsapp, mit welcher das Verlaufen fast schwierig wird. Verlässt man den gespeicherten Weg, wird man während dem Gehen akustisch gewarnt. Die Verwendung der App braucht etwas Übung, ist aber extrem hilfreich in gewissen Situationen.

Wieder zurück zur Etappe:

Irgendwo unterwegs sah mein Wanderkumpel ein Wohnmobil mit holländischen Kennzeichen am Strassenrand stehen. Er ging spontan auf den Wagen zu und begann mit den Besitzern des Wohnmobils sich auf holländisch zu unterhalten. Das pensionierte Ehepaar wirkte etwas frustriert und zermürbt. Sie seien nun schon seit Dezember in Südspanien unterwegs und hätten nur nasses und kaltes Wetter erlebt.

Die letzen 11 km führten uns dann wiederum durch die riesigen Olivenkulturen, welche schon beim Anflug auf Málaga zu sehen sind.

Irgendwann sind wir dann endlich in der Kleinstadt Baena zuunterst am Fluss und müde angekommen. Natürlich befindet sich unsere Herberge im obersten Quartier der Stadt, aber dafür mit einer herrlichen Aussicht.